Ressourcen und Abfall
6. März 2019
Digitalisierung
4. März 2019

Wir filtern nicht nur belastetes Abwasser und optimieren unseren Wasserverbrauch. Wir schaffen auch Lebensräume für Wassertiere in direkter Nähe zum Hannover Airport – in enger Zusammenarbeit mit dem NABU Langenhagen.

Rettungsbecken für Kröten

Was?

  • In einem Regenrückhaltebecken haben wir ein Rettungsbecken für Erdkröten errichtet.

Wo?

  • zwischen Start- und Landebahnen und Evershorster Straße

Warum?

  • um sicherzustellen, dass das Regenrückhalte­becken auch nach Entleerung ausreichend Wasser zur Fortpflanzung der Erdkröten enthält und nicht zu einer Reproduktions­falle wird
 

ERDKRÖTEN MÖGEN ES FEUCHT

In der Schule engagierte er sich in der Vogelkunde-AG. Heute ist er erster Vorsitzender des NABU Langenhagen. Ricky Stankewitz setzt sich bereits sein ganzes Leben für den Naturschutz ein. Auch gemeinsam mit dem Hannover Airport. 2018 hat er ein Projekt zum Schutz der Erdkröten auf den Weg gebracht. Sinnvoll, denn Zählungen bestätigten: Nahe des Flughafengeländes werden es derzeit immer weniger.


Ricky Stankewitz


 
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Erdkröten zählen – wie funktioniert das?

Das ist eigentlich ziemlich einfach. Die Erdkröten halten sich fast das ganze Jahr über auf der östlichen Seite der Evershorster Straße auf. Dort liegt ihr Sommer- und Winterquartier. Einmal im Jahr beginnt dann die große Krötenwanderung. Ihr Ziel ist das Regenrückhalte­becken auf der anderen Seite. Dort pflanzen sie sich fort. Optimal für sie ist richtiges Schiet­wetter: feucht, bei sechs bis acht Grad. Wenn es so weit ist, errichten wir Schutzzäune entlang der Straße. Diese wandern die Tiere entlang, bis sie in Eimern landen. Zweimal am Tag bringen wir sie dann rüber an ihren Paarungsort. Dabei zählen wir sie und dokumentieren den Bestand. So konnten wir feststellen, dass er in den vergangenen Jahren immer weiter schrumpfte.

Woran liegt das?

Das Problem ist: Das Regenrückhaltebecken muss regelmäßig geleert werden. Aus Flug­sicherheitsgründen. Denn große Wasserflächen würden Wasservögel anziehen. Das wiederum würde den Flugverkehr gefährden. Als ich im Mai mit einem Tragschrauber unterwegs war, sah ich im Landeanflug, dass das Becken vollkommen trocken lag. Zu diesem Zeitpunkt war die Umwandlung der Kaulquappen jedoch noch nicht abgeschlossen. Für Erdkröten sind das äußerst schlechte Bedingungen.

Warum ist Wasser so wichtig für die Fortpflanzung?

Weil die jungen Kaulquappen noch keine Lungen haben. Sie atmen durch Kiemen. Erst nach der Metamorphose sind sie an Land überlebens­fähig. Wenn das Trockenlegen des Regenrückhaltebeckens zu früh erfolgt, ist ihr Überleben unmöglich. Man kann also sagen, das Regenrückhaltebecken wird zur Reproduktionsfalle.

Wie haben Sie das Problem gelöst?

Mit einem Becken in dem Becken. Quasi einem kleinen Rettungsbecken, etwa 25 Quadratmeter groß. Mit einer richtigen Betoneinfassung, damit es im Laufe der Zeit nicht absackt. Darin bleibt dauerhaft Wasser für die Erdkröten zurück. Und das ganz unabhängig von dem Wasserstand im restlichen Regenrückhaltebecken. Ein weiterer Vorteil: Das neu geschaffene Rettungsbecken beschleunigt sogar die Entwicklung der Kaulquappen. Geringeres Volumen, weniger Wasser, höhere Wassertemperatur. Hervorragende Bedingungen für Algen, das Futter der jungen Tiere. Umgesetzt haben dies Mario Honkomp, Abteilungsleiter Immobilien- und Flächenentwicklung, und Heiner Fletemeyer von den Wasserwirtschaftlichen Diensten. Deren Mitarbeiter überprüfen auch regelmäßig, ob ausreichend Wasser vorhanden ist. Falls notwendig, füllen sie nach.

Für den Flugverkehr stellt das zusätzliche Becken kein Risiko dar?

Im Vergleich zu dem eigentlichen Regenrückhaltebecken hat das Rettungsbecken eine verschwindend kleine Fläche. Groß genug für die Erdkröten. Aber zu klein, um größere Wasservögel anzulocken. Wir haben diesbezüglich auch mit dem Birdcontroller des Hannover Airport, Jürgen von Ramin, gesprochen. Für den sicheren Ablauf des Flugverkehrs ist es vollkommen unbedenklich.

Ist die Zahl an Erdkröten seitdem gestiegen?

Das lässt sich erst in etwa zwei Jahren feststellen. So lange brauchen die Tiere, um fortpflanzungsfähig zu werden. Wir gehen aber davon aus, dass unser gemeinsames Projekt ein Erfolg sein wird. Denn auch andere Amphibien profitieren von unserem Rettungsbecken. Zum Beispiel Teichmolche und Grasfrösche samt Jungtieren. Es handelt sich also um eine Maßnahme,die nicht nur Erdkröten zugute kommt. Generell achtet der Hannover Airport immer darauf, Umweltmaßnahmen umzusetzen, die ganzheitliche Effekte haben. Auch habe ich den Eindruck, dass die Kollegen vom Flughafen sich ihrer Verantwortung für die Umwelt bewusst sind. Sie tun weitaus mehr als das, was gesetzlich verpflichtend ist. Das hat sich über die Jahre hinweg immer wieder gezeigt. Und es zeigt sich auch an ihrem Einsatz für die Erdkröten an der Evershorster Straße.

 
 

5 x 5 Meter misst das Rettungsbecken der Erdkröten.

Abwassermanagement
Auch auf dem Flughafengelände spielt der richtige Umgang mit Wasser eine wichtige Rolle. 2018 haben wir deshalb einen neuen Abwassersammelkanal
errichtet. Und zwar unter der Südbahn. Damit kann das von außen kommende unbelastete Wasser abgefangen werden. So leiten wir es getrennt von dem im Winter mit Flächenenteisungsmittel belasteten Abwasser der Flugverkehrsflächen ab. Dieses wird gesondert über die Bodenflilteranlagen des Airports gereinigt.

Heiner Fletemeyer, Leiter Wasserwirtschaftliche Dienste

 
Verantwortung im Umgang mit Wasser
Am 24. Juli 2018 führte die Sommerhitze zu einem Blow-up der Start- und Landebahnen. Um weitere Schäden zu vermeiden, kühlten wir die Beton­platten mit Tausenden Litern Wasser. Hier mussten wir abwägen: zwischen einem ressourcenschonenden Umgang mit Wasser und der Sicherheit während der Starts und Landungen. Dass derartige Bewässe­rungen eine Notmaßnahme sind, ist selbstverständlich. Der verantwortungsvolle Einsatz von Wasser liegt uns sehr am Herzen.

Heiner Fletemeyer, Leiter Wasserwirtschaftliche Dienste

Über 90 Prozent der Erdkröten an der Evershorster Straße befördern die Mitglieder des NABU Langenhagen jedes Jahr sicher auf die andere Straßenseite.

GRÜNER ALS SIE DENKEN – NACHHALTIGKEIT MIT NEUEM HORIZONT

Sie haben nicht das beste Image. Und sind trotzdem ein wichtiger Teil des Ökosystems. Erdkröten dienen als Nahrungsquelle für diverse Beutegreifer. Und fressen selbst Insekten und Schnecken, die wir Menschen mit chemischen Mitteln bekämpfen würden. Mit dem Rettungsbecken leistet der Hannover Airport einen Beitrag zum Funktionieren des hiesigen Ökosystems.

 

Sustainable Development Goal

 
WIR LASSEN RAUM FÜR FLORA UND FAUNA