Mobilität
30. Juni 2020
Biodiversität
9. September 2019

BIODIVERSITÄT

Mit zahlreichen Ausgleichsmaßnahmen fördern wir die Tier- und Pflanzenwelt – nicht nur auf dem Gelände des Hannover Airport, sondern auch in unserer direkten Nachbarschaft.

NIEDERWALD

 

Was?

  • Wir pflegen zwei Waldstücke mit einer Gesamtfläche von 4,5 Hektar.
  • Durch schrittweise Abholzung strukturieren wir das Areal seit 2013 zu einem artenreichen Niederwald um.

Wo?

  • westlich der Nordbahn hinter der Resser Straße in der Gemarkung Engelbostel

Warum?

  • um die Höhenbeschränkung im An- und Abflugbereich einzuhalten und die Flugsicherheit nicht zu gefährden
  • um die Biodiversität in den angrenzenden Waldgebieten zu fördern

NIEDRIGE BAUMWIPFEL

Schon als er sein erstes Arten-Bestimmungsbuch geschenkt bekommen hatte, war Andreas Werner klar: Eines Tages würde er Biologie studieren. Nach dem Abitur schrieb er sich dann an der Freien Universität Berlin ein. Erst Studium, dann Promotion. Heute ist er Bereichsleiter Umwelt- und Freiraumplanung beim Ingenieurbüro BPR Dipl.-Ing. Bernd F. Künne & Partner. Dort unterstützt er den Hannover Airport bei allen Fragen rund um Naturschutz. Ein wichtiges Thema ist die Waldpflege nahe der Start- und Landebahnen.

Dr. Andreas Werner


 
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Warum muss sich der Hannover Airport um die angrenzenden Waldgebiete kümmern?

Um die Sicherheit in den An- und Abflugbereichen zu gewährleisten. Hier hat die Deutsche Flugsicherung eine Höhenbeschränkung festgelegt. Diese dürfen weder Gebäude noch Wälder überschreiten. Alle zwei Jahre wird erneut nachgemessen. Zu hohe Bäume müssen dann gekappt oder gefällt werden. Das ist aufwendig. Nicht selten ist hier von mehr als 100 Exemplaren die Rede. Und das alle paar Jahre. Deshalb haben wir uns entschieden, den Wald umzustrukturieren. Zwei Areale bewirtschaften wir jetzt niederwaldartig.

Niederwaldartige Bewirtschaftung – was bedeutet das?

Anstatt die Bäume regelmäßig zu kürzen, setzen wir sie „auf den Stock“. Das heißt: Wir schneiden sie kurz über dem Boden ab. Jedoch nicht alle auf einmal, sondern sukzessive. Dafür haben wir beide Areale in jeweils vier Quadranten aufgeteilt. Schritt für Schritt werden die Teilflächen nun nahezu komplett abgeholzt. Den ersten Quadranten haben wir im Winter 2013/2014 bearbeitet. Dieses Jahr war der zweite Abschnitt an der Reihe. Da die gefällten Bäume wieder regenerieren, entsteht so nach und nach ein neuer Wald mit geringerer Höhe.

Wie profitieren Flughafen und Natur davon?

Über die Jahre hinweg entwickeln wir so einen Wald aus Stockausschlag. Der läuft zunächst nicht Gefahr, die geltenden Höhenbeschränkungen zu übersteigen. Erst nach zwanzig Jahren sollte der ein oder andere Baum nachgeschnitten werden. Der größte Vorteil jedoch ist ein anderer: Die Biodiversität nimmt zu. Da das Licht besser auf den Waldboden dringt, können junge Bäume leichter heranwachsen. Und auch die Vielzahl an krautigen Pflanzen ist erheblich höher als in einem weniger lichtdurchlässigen Hochwald. Man kann also sagen: Für den Flughafen ist der Niederwald äußerst praktisch – und für die Natur ein echter Zugewinn.

Welche Aufgabe übernehmen Sie als Biologe?

Ich habe das Niederwald-Konzept für den Hannover Airport entwickelt. Und ich achte darauf, dass die biologische Umstrukturierung erfolgreich verläuft. Bislang haben wir hier noch keine schlechten Erfahrungen gemacht. Ganz wichtig ist jedoch, invasive, also eingeschleppte Pflanzen fachmännisch zu entfernen. Zum Beispiel die Spätblühende Traubenkirsche. Ein Muss, damit sich der Niederwald richtig entfalten kann. Auch müssen wir darauf achten, dass sich einige Pflanzen nicht radikal vermehren und alles überwuchern. Die Gefahr besteht zum Beispiel bei Brombeeren. Aus diesem Grund betreiben wir regelmäßiges Monitoring.

Wie läuft das Monitoring ab?

Mehrere Male im Jahr untersuche ich die Biotopentwicklung. Dabei halte ich fest, welche Pflanzen und Insekten vorhanden sind. Und ich versuche, Fehlentwicklungen festzustellen. Hier arbeiten wir auch mit dem Hegering Langenhagen zusammen. Einmal im Jahr berichtet er, wie das Wild den Niederwald annimmt. Zusätzlich hat das Forstamt Fuhrberg ein Auge darauf, dass das Areal seinen Waldcharakter behält. Das ist wichtig, da nach Niedersächsischem Waldgesetz bestehende Wälder nicht zerstört werden dürfen. Würde eine Teilfläche nach der Abholzung nicht mehr austreiben, müsste der Flughafen ein gleichwertiges neues Areal schaffen.

Was kam beim letzten Monitoring heraus?

Der Niederwald macht sich sehr gut. Die Entwicklung begann bereits wenige Monate nach der Abholzung. Heute findet man dort zum Beispiel Birken, Ebereschen, Erlen, Eichen und Zitterpappeln mit einer Höhe von bis zu fünf Metern. Aber auch eine Vielzahl an verschiedenen krautigen Pflanzen. Und auch das Insektenvorkommen ist gestiegen. Das zeigt, dass der Niederwald nicht nur für den Flughafen, sondern auch für die Natur genau die richtige Entscheidung war.

 
 

WENIGER ALS 1% DER DEUTSCHEN WALDFLÄCHE GILT ALS NIEDERWALD.

GRÜNER ALS SIE DENKEN – NACHHALTIGKEIT MIT NEUEM HORIZONT

11,4 Millionen Hektar: Knapp ein Drittel Deutschlands besteht aus Wald. Er bindet CO2. Und bietet über 10.000 Tier- und Pflanzenarten ein Zuhause. Gründe genug, ihn zu schützen. Mit dem Niederwald verbindet der Hannover Airport Flugsicherheitsbestimmungen, Naturerhalt und die Förderung des lokalen Artenreichtums. Noch ein Vorteil: Der Niederwald macht die deutsche Waldlandschaft abwechslungsreicher. Schließlich findet man hierzulande zu etwa 99 Prozent Hochwälder.

 

Sustainable Development Goal

 
WIR LASSEN RAUM FÜR FLORA UND FAUNA

BORSTGRASWIESE

 

Was?

  • In Zusammenarbeit mit dem Hegering Langen­hagen e. V. pflegen wir zwei Wiesenstücke mit einer Gesamtfläche von 11,6 Hektar.
  • Sie dienen zum Beispiel dem Wild als wichtige ­Ruhezone.

Wo?

  • zwischen der Nordbahn und der Resser Straße in Engelbostel

Warum?

  • als ökologische Ausgleichsfläche
  • um die Artenvielfalt vor Ort zu steigern
  • um den Wildwechsel an der Resser Straße ­einzugrenzen und Wildunfällen vorzubeugen

JÄGER SIND NATURSCHÜTZER

Der eine ist Leiter des Hegering Langen­hagen e. V. Der andere sein Obmann für Naturschutz: Mike Scheer und Herrmann Wilmes kennen die Wiesen und Felder um den Hannover Airport. Und das so gut wie kaum ein anderer. Bereits seit acht Jahren pflegen sie mit ihrem eingetragenen Tier- und Naturschutzverein die Borstgraswiesen nahe der Nordbahn. Ehrenamtlich.

Mike Scheer und Herrmann Wilmes


 
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„Wir engagieren uns schon ein Leben lang“, erzählen die beiden. „Und das immer in einer Gemeinschaft“, wie sie betonen. Denn alleine sind die beiden Engelbosteler nicht. Hinter ihnen stehen 100 weitere Mitglieder des Hegering Langenhagen. Gemeinsam sind sie eine ökologische Pflegepartnerschaft mit dem Hannover Airport eingegangen. Gepflegt werden zwei Flächen an der Resser Straße. Sie dienen als Ausgleichsflächen, auch für Wild.

Der Natur etwas zurückgeben

Der Hannover Airport nimmt eine Fläche von über 1.000 Hektar ein. Teile davon nutzt er selbst. Andere Teile stellt er zum Beispiel als Gewerbefläche zur Verfügung. „Es gehört zu seiner öko­logischen Verantwortung, hierfür einen Ausgleich zu schaffen“, betont Mike Scheer. Denn selbst in der Umgebung finden Rehe, Hasen und Co. häufig nicht mehr ausreichend Rückzugsorte. „Die Areale um den Flughafen sind stark landwirtschaftlich geprägt. Ohne unsere Borstgraswiesen würde es an sogenannten Wildruhezonen mangeln“, weiß Herrmann Wilmes. Aus diesem Grund hat sich der Hannover Airport mit dem Hegering Langenhagen 2012 einen erfahrenen Partner ins Boot geholt. Eine richtige Entscheidung, wie die beiden Jäger betonen: „Wenn man Umweltschutz betreibt, sollte man es auch richtig tun. Und das bedeutet in erster Linie: ganzheitlich.“

Professionelles Wildtiermanagement

Als Pächter kümmert sich der Hegering mehrmals im Jahr um die Pflege der Borstgraswiesen. Streng nach den Auflagen der Naturschutzbehörde. Der erste Einsatz findet jedes Jahr im Februar statt: Totholz wird entfernt, Sturm­schäden beseitigt. Der zweite Einsatz folgt Mitte Juli. „Dann mähen wir. Natürlich erst nach der Brut- und Setzzeit, wenn der Nachwuchs schon auf eigenen Beinen stehen kann.“ Und auch Jagdeinsätze sind unverzichtbar. Denn die Borstgraswiesen locken eine Menge Raubwild an. „Unser Ziel ist es nicht, Füchse, Marder und Waschbären fernzuhalten. Wir achten lediglich darauf, dass die Artenvielfalt auf begrenztem Raum erhalten bleibt. Die Jagd ist hier durch und durch im Sinne der Biodiversität“, erklärt der Hegeringleiter.

Für Tier und Mensch

Ein vielfältiger Einsatz, von dem beide Seiten profitieren. „Durch unsere Borstgraswiesen hat das Wild einen Ort zum Wohlfühlen. Es streift auf Nahrungssuche weniger umher und überquert seltener stark befahrene Straßen. Das verhindert Wildunfälle“, weiß Herrmann Wilmes. „Zusätzlich häufen wir das im Februar gesammelte Totholz zu sogenannten Benjeshecken auf.“ Wälle, die aus Reisig und Ästen bestehen. Sie säumen die Straßenränder und stellen eine natürliche Barriere dar. „Dadurch kommt es zu weitaus weniger Fallwild durch Autounfälle.“

Bildung und Imagearbeit

Außerdem beteiligen sich der Hannover Airport und der Hegering Langenhagen an der Initiative „Lernort Natur“. „Auf naturkundlichen Führungen erkunden wir gemeinsam mit Kindern unsere Borstgraswiesen. Wir wollen ein Bewusstsein für Umweltschutz wecken“, betont Mike Scheer. „Und natürlich auch zeigen, dass Jäger vor allem eines sind: Naturschützer. Sogar ziemlich gute, wenn man sich das Resultat anschaut.“ Denn seit 2012 hat sich die Tier- und Pflanzenwelt vor Ort hervorragend entwickelt. Zwischen Streuobstwiese, Grasflächen und Schilfgürtel haben Hasen, Rehe, Rebhühner und seltene Vögel wie Nachtigallen ein Zuhause gefunden. „Für uns ein Zeichen, dass sich unser ehrenamtliches Engagement lohnt.“

Mit einer Höhe von bis zu 1,50 Meter hindern Benjeshecken das Wild am Überqueren der Resser Straße.

GRÜNER ALS SIE DENKEN – NACHHALTIGKEIT MIT NEUEM HORIZONT

Zwischen 2000 und 2017 ist die Siedlungs- und Verkehrs­fläche in Deutschland gestiegen. Um 5.566 Quadratkilometer.* Das hat negative Auswirkungen auf die Wildtiere. Man spricht von einer Verinselung ihrer Lebensräume. Mangels Nahrungsquellen sind sie deshalb gezwungen, Straßen zu überqueren. Auch wenn die Zahl an Wildunfällen in Niedersachsen 2017/2018 zurückgegangen ist: Noch immer kamen etwa 28.400 Tiere bei Verkehrsunfällen ums Leben.** Mit den Borstgras­wiesen schafft der Hannover Airport wichtige Lebensräume. Und schränkt gefährlichen Wildwechsel ein.

*Statistisches Bundesamt 2018
**Landesjägerschaft Niedersachsen e.V. 2019

 

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